Seit meinem letzten Venedigbesuch ist nun fast ein Jahr vergangen. Seither habe ich keine Worte gefunden, die Venedig besser beschreiben als diese:
"Abgeblättertes Rosa, Weiß mit schwarzen Tränen, das sind die Farben, die zuerst auffallen. Danach Grün und Schwarz. Das Grün des Wassers. Wenn das Wasser ruhig ist, ist es von nahem das fette Grün von Schweröl mit irisierenden Stellen und geheimen Finsternissen. In Ruhe wirkt es teigig und schnalzend. Da ist das Grün der Haarflechten, die die Mauern herabhängen und manchmal ins Wasser eintauchen. Da ist auch das Grün der Fensterläden, manchmal rein, wenn sie frisch gestrichen sind, manchmal gräulich und kastanienbraun getönt, wenn sie in der Hitze, aber ohne Sonne alt geworden und ausgetrocknet sind. Und dann ist da das Schwarz der Gassen, die hinten im Dunkeln enden, und vor allem das glänzende Schwarz der Gondeln und Lastkähne, ein Insektenschwarz. Nicht so sehr, dass es glänzt, aber die Wasserspiegelungen verleihen ihm eine Art Schimmer, einen fließenden Lack."
Aus Jean-Paul Sartre, Königin Albermarle oder Der letzte Tourist. Vorwort aus Hanns-Josef Ortheil, Venedig. Eine Verführung
So werde ich mich morgen wieder einmal auf den Weg machen, um in Venedig zu malen - wie jedes Jahr! Und ich werde weiterhin nach Worten suchen, die Venedig in seiner Gesamtheit beschreiben. Oder ich belasse es einfach beim Malen.